rain,rain go away!

Oh man was ein Chaos hier!

Seit Wochen ist es nur am regnen und es nimmt einfach kein Ende.Ich habe Anfang Dezember in den Kindergarten nach Kiliyanur gewechselt, ein kleiner Kindergarten in einem Dorf außerhalb.

Leider war ich bis jetzt nur einmal dort, da mir dann gesagt wurde ich dürfe nicht arbeiten gehen, denn es sei zu gefählich. Warum? Der Regen ist schuld!

In den Nachrichten läuft es rund um die Uhr. Chennai, die Hauptstadt von Tamil Nadu ist komplett überflutet und die Stromversorgung liegt lahm. Hunderttausende Menschen mussten flüchtet, da sie ihre Häuser verloren haben und das Wasser auf den Straßen steht den Menschen bis über die Knie.

Wenn man die Bilder in der Zeitung oder in den Nachrichten sieht ist das wirklich sehr erschreckend. Bei uns ist es zum Glück nicht ganz so schlimm, zwar regnet es hier auch ununterbrochen und das schon seit zwei Wochen, aber das Wasser auf den Straßen läuft relativ gut wieder ab.

Dennoch darf ich nicht arbeiten gehen, denn ich müsste eine halbe Stunde mit dem Bus fahren, welcher statt stündlich nur noch zweimal am Tag fährt und die Straßen bis nach Kiliyanur sind teilweise komplett von dem Wasser der übergelaufenen Reisfelder bedeckt.

Auch in Kiliyanur selbst sind die Straßen eher nicht so leicht zu überqueren. Als ich letzte Woche Dienstag dort war hat man sofort gesehen, dass die riesigen Schlaglöcher in den Straßen bis oben hin voll mit Wasser waren und an dem Tag bin ich auch noch das erste Mal Motorrad gefahren.

Natürlich nicht selbst, das wäre mir echt zu gefährlich auf Indiens Straßen! Aber eine der Erzieherin hat starke Probleme beim laufen, weshalb sie von einem bekannten mitgenommen wurde und wie es in Indien so üblich ist, packt man das Motorrad dann auch voll. Also sind wir zu dritt auf dem Motorrad bis zum Kindergarten gefahren.

Es war wirklich ein schönes Erlebnis für mich, wie eine echte Inderin auf einem Motorrad über die huckeligen Straßen zu fahren.Im Kindergarten angekommen haben wir dann den ganzen Tag für die Weihnachtsfeier geübt und Spiele gespielt und in der Mittagspause hat es dann mal wieder richtig angefangen zu regnen.

Als wir um vier Uhr dann im strömenden Regen zur Bushaltestelle gelaufen sind, war meine Hose schon einmal total nass. Im Bus war ich dann froh das dieser Fensterscheiben hatte, da mir so schon kalt war und ich nicht noch mehr Regen abbekommen wollte. Doch leider regnete es durch die Fensterrahmen hinein und da ich am Fenster saß, bekam ich alles ab.

An der Bushaltestelle in Mayiladuthurai angekommen, bin ich beim aussteigen in die nächste große Pfütze getreten und stand bis zum Schienbein in dem braunen Wasser... Weil der Regen auch leider wieder stärker wurde, machten Umar ( eine Erzieherin) und ich erst einmal halt in einem kleinen Restaurant und haben heißen Tee getrunken um uns aufzuwärmen.

Als ich dann später zurück auf unserem compound war, war ich pitschnass, aber irgendwie war mir das total egal. Ich fande es ziemlich abenteuerlich so einen Tag mal mitzuerleben. Unsere compound Omis jedoch wollten dann nicht mehr, dass ich bei dem Wetter dorthin gehe, da sie Angst haben ich würde krank werden.


Naja und seitdem war ich nicht mehr im Kindergarten arbeiten. Zumindest hatten wir letzte Woche noch einiges zu tun, damit es nicht langweilig wurde, denn am Samstag war unsere Weihnachtsfeier und dafür hatten wir noch viel zu tun.

Julia und ich haben mit einer Gruppe von 6 Mädchen einen Tanz einstudiert, wir haben bei dem Tanz der baby class mitgemacht und wir haben bei dem Drama der Mädchen mitgespielt.

Dort mussten wir als Weihnachtsengel auf Tamil unseren Text aufsagen und Blöckflöte spielen... und ich kann keine Blockflöte spielen. Naja das heißt ich hatte wirklich viel zu tun und wir waren total froh, dass die Weihnachtsfeier am Samstag dann endlich vorbei war.


Es war wirklich anstregend und stressig für uns, denn wir hatten zwischen jedem Auftritt nur zwei Lieder zeit und mussten uns jedes Mal umziehen, abschminken und neu fertig machen. Umso glücklicher waren wir dann, nach unserem letzten Auftritt.


Zwar habe ich das Blockflöte spielen ein wenig verkackt, aber es war immerhin besser als in den Proben :D Mit den Mädchen hatten wir auch eine Menge Spaß währrend der ganzen Vorbereitung und auch an dem Tag der Vorführung, weshalb es schon ein wenig schade ist nicht mehr täglich mit ihnen zu proben.

Nach der Weihnachtsfeier gab es noch Essen für alle Gäste und als Nachtisch gab es wieder Kesari, mein absolutes Lieblingsessen! Danach konnten wir getrost in unser Zimmer gehen und am liebsten wäre ich ins Bett gegangen, doch wir mussten noch aufbleiben, da wir in der Nacht Nikolaus spielen wollten.


Als alle Mädchen dann schlafen ware, haben wir uns leise rumgeschlichen und jedem Mädchen ein kleines Bonbon mit einem Zettel in den Schuh gelegt.


Zu unserer großen Überraschung befanden sich am nächsten Tag in unseren Schuhen auch kleine Zettelchen, Haarspangen, ein Stempel und Kullis. Die Mädchen haben sich scheinbar so über unsere kleine Überraschung gefreut, dass sie uns auch etwas zurück geben wollten.

Es ist einfach unglaublich schön zu sehen, wenn man merkt das es den Mädchen gefällt was wir machen und wenn wir dafür auch etwas zurück bekommen.Alleine schon wenn sie morgens zu uns hinlaufen und sagen das sie zum Beispiel unseren selbst einstudierten Tanz auf der Weihnachtsfeier mochten.

Am Sonntag morgen saßen wir dann total verschlafen in der Kirche und mussten uns große Mühe geben nicht einzuschlafen. Es ist einfach schrecklich, durch dieses graue und nasse Wetter wird man einfach nicht mehr wach.

Zudem wird der See in unserem Zimmer immer größer, denn das Wasser tropft an immer mehr Stellen vom Dach. Ich fände das ja noch nicht mal so schlimm, da wir regelmäßig mit einem Wischmopp das Wasser weg machen, doch es fängt einfach alles an zu Schimmeln...

Unsere Klamotten, Koffer, der Boden, die Wände und unser Bett ist auch schon total feucht. Hoffentlich hört das bald auf! Wir können nicht einmal mehr waschen, da die Klamotten nicht mehr trocken werden.

Langsam nervt es wirklich total, aber andereseits können wir froh sein, dass es nur im Zimmer tropft und wir Schimmel haben. In anderen Distrikten sieht das wesentlich schlimmer aus.

Seit heute ist der FLughafen in CHennai zumindest wieder geöffnet und man kann sogar sein Internet am Handy wieder aufladen. Am Wochenende haben alle Vodafone Nutzer 100MB kostenlos bekommen, da in Chennai niemand mehr in der Lage war sein Handy aufzuladen.

Außerdem hat man mehrmals SMSn bekommen in denen stand, dass die Leute hoffen man selbst sei in Sicherheit und die Army hat Schiffe und Hubschrauber losgeschickt mit Essenspaketen und Trinkwasser für die Menschen in den betroffenen Gebieten.

Ich selbst kann mir gar nicht vorstellen ,was sie Menschen dort durchmachen müssen. Sie haben einfach alles verloren und leider sind bei den ganzen Fluten auch einige Menschen gestorben..

Als mir eine Erzieherin letzte Woche erzählt hat, dass sie und ihr Mann sitzend auf Stühlen schlafen müssen, da das Wasser in ihrem Haus zu hoch steht war ich schon total fassungslos. Sie und ihr Mann haben ihr komplettes Monatsgehalt für die Reperatur ihres Daches bezahlt, was aber leider nichts gebracht hat und die Frau musste dafür sogar ihren Ring verkaufen.

Nun haben sie kaum noch Geld für diesen Monat und eigentlich müsste sie dringend zum Arzt gehen. In solchen Momenten werden mir meine Privilegien einfach immer mehr bewusst. Denn ich werde jeder Zeit von hier weggeholt, wenn die Situation zu gefährlich wird und ich kann jeder Zeit wieder nach Hause fliegen, in ein geschütztes Haus.

Doch die Menschen hier haben keine andere Wahl, sie müssen versuchen sich durch diese Zeiten durchzukämpfen. Auch wenn es im Moment sehr schwer ist, da es die schlimmste Monsumzeit seit 150 Jahren ist..

Zum Glück hat sich die Lage in Chennai schon wieder ein wenig beruhigt und ich bin sehr zuversichtlich, dass es in der kommenden Woche langsam aufhören wird zu regnen und das ich dann endlich wieder arbeiten gehen kann.

Für die nächsten Wochen habe ich geplant meine Nachforschungen für den zweiten Rundbrief anzufangen. Außerdem kommt in zwei Wochen schon meine Familie zu Besuch und anschließend fahre ich mit den anderen Freiwiliigen in den Urlaub. Also hoffe und ich bete ich nun dafür, dass der Regen bald endlich aufhört!

7.12.15 15:27

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