St. Martin in Indien

So, nachdem mein letzter Eintrag schon wieder eine Weile her ist, kommt nun ein neuer Post zum Thema St. Martin in Indien.

Mein Projekt hat ziemlich oft hohen Besuch von Pastoren, den obersten der T.E.L.C oder von unserem Bischof.

Vor ca. einer Woche war dieser mal wieder zu Besuch bei uns und als wir zum Tee alle zusammen saßen hat er unserer Managerin die Geschichte über St. Martin erzählt (die kennt hier in Indien nämlich niemand). Als er fertig war kam er auf die toll Idee man könne ja das Martins Fest aus Deutschland, nach Indien holen.

Ab hier waren dann Julia und ich gefragt. Erst hieß es wir sollen mit den Mädchen von unserem Compound einen kleinen Umzug am St. Martins Tag machen und den Kindern die Geschichte, die sich dahinter verbirgt, erzählen.

Natürlich sollte dafür auch jedes Kind eine Laterne haben, was bei 150 Mädchen gar nicht mal so einfach war. Aber wir nahmen uns der Herausforderung gerne an.

Da hieß es nämlich noch, das wir den Mädchen nur zeigen sollten, wie man eine Laterne bastelt, sodass diese ihre eigene selbst basteln können.


Doch leider fingen an dem Freitag wieder Ferien an, die dummerweise auch noch bis Mittwoch gingen. Also haben Julia und ich die Laternen weites gehend allein gebastelt.Lediglich sieben der Mädchen blieben über die Feiertage da, sodass sie uns beim bemalen der Laternen helfen konnten.


An dem Samstag Abend kam der Bischof dann erneut zu uns und hat sich mit uns über unsere Pläne unterhalten. Da wir ihm erzählt haben, dass wir geplant haben zwei deutsche Lieder mit den Mädchen zu singen und das Martins-Spiel mit dem Bettler vorzuführen, wofür ich sogar extra ein Pferd und ein Schwert gebastelt habe, war er auf einmal so von unserer Idee begeistert, dass wir das Ganze nicht mehr wie geplant bei uns in kleiner Runde feiern sollten.


Er hat uns gebeten unseren Umzug mit dem kleinen Theaterstück nach Porayar zu verlegen. Dorthin wurden nämliche alle Pastoren und die wichtigen Leute der T.E.L.c eingeladen und sie alle sollten sehen, wie St. Martin in Deutschland abläuft.


Das hat mich echt nervös gemacht, da ich die Martins Geschichte erzählen wollte und das jetzt auf einmal vor ganz vielen Leuten machen sollte. Außerdem sollten wir nun die Lieder alleine in der Kirche vorsingen und nicht mehr mit den Kindern.

Unser Glück war, das drei weitere Freiwilligen ebenfalls dorthin eingeladen wurden, sodass wir sie gleich direkt beim singen mit eingebunden haben. :D

Also war soweit alles geklärt, doch leider hatten wir bis Samstag erst 60 Laternen und auf einmal mussten wir noch 40 weitere machen, was echt viel Zeit in Anspruch nahm. Insgesamt waren Julia und ich fünf Tage lang damit beschäftigt alles fertig zu machen.


Zu unserem Pech war die Regenzeit an den Tagen hier auch noch voll im Gange, sodass wir im dicken Pullover und Wollschal einen Abend bei Kerzenschein weiter basteln mussten, da wir ein paar Stunden lang Stromausfall hatten.

Das war ein bisschen stressig, da wir unter Zeitdruck standen, aber irgendwie war es auch eine total schöne Atmosphäre im Kerzenschein da zu sitzen und keinen Strom zu haben.

Dennoch glaube ich, dass wir nun so viele Laternen gebastelt haben, dass wir nie wieder welche machen wollen.

Am Mittwoch morgen sind wir dann zunächst mit dem Bus nach Tranquebar gefahren, wo wir und die anderen drei Freiwilligen zum Mittagessen mit den Pastoren eingeladen wurden. Es wurde nämlich extra eine Gans (wie die Martins Gans) zubereitet und wir sollten sie unbedingt probieren. Dazu gab es Reis, zwei verschiedene Soßen und Gemüse.

Einer der Freiwilligen meinte zu mir, dass die Soße sehr scharf sei, doch davon habe ich nichts gemerkt. Das zeigt mir zum Glück immer wieder, wie sehr ich mich schon an das scharfe Essen hier gewöhnt habe.

Nachdem wir alle zu Mittag gegessen haben, sind wir mit dem Auto rüber nach Porayar gefahren und haben in der Kirche alles für die Messe vorbereitet.


Danach sind wir alle in die Mitte das Dorfes gelaufen, wo unser Umzug gestartet ist. Ich habe an alle anwesenden Kinder Laternen, Stöcke und Kerzen verteilt, während Julia sich auf das Pferd setzen musste und als St. Martin vorher reiten sollte.


Vor der Kirche angekommen, wurden erst einmal ganz viele Fotos gemacht, bevor wir Freiwilligen zu unseren "reservierten" Plätzen geführt wurden. Natürlich mal wieder ganz vorne..

Erst wurden wieder unzählige Reden gehalten, was ein bisschen öde war, aber dann waren wir an der Reihe. Zu fünft standen wir also ganz vorne und haben "Laterne,Laterne" gesungen. Erstaunlicherweise hat das echt viel Spaß gemacht und ich war gar nicht so nervös.


Später war dann unser Martins-Spiel an der Reihe. Gemeinsam mit einer unserer Compound Omis (Arul) stand ich vorne und habe die Geschichte auf Englisch erzählt, immer abwechselnd während Arul die Geschichte auf Tamil für die Kinder übersetzt hat.Gleichzeit lief auch unser kleines Theaterstück.

Als wir endlich fertig waren, war ich froh mich wieder setzen zu können. Nachdem die Messe vorbei war, gab es draußen noch Tee und Süßigkeiten für jeden. Es gab Kesari, was ich wirklich über alles liebe. Das ist nämlich eine Art oranger Grießbrei, mit Nüssen und Rosinen. Ich freue mich jedes Mal wenn wir das bekommen, weil es das leider nicht sehr oft gibt.

Zusammenfassend war es ein richtig schöner Tag.Wir hatten alle eine Menge Spaß und es war schön St. Martin nach Indien gebracht zu haben, weil es dieses Jahr das erste Mal war, das hier so etwas gemacht wurden.

Vorallem für Julia und mich ist es besonders schön, weil wir beiden alles geplant und gemacht haben ohne irgendeine Anweisung bekommen zu haben. Wir hatten alle Freiheiten diesen Tag zu gestalten und durch die ganzen positiven Rückmeldungen haben wir gemerkt, dass wir alles richtig gemacht haben. Es war ein erfolgreicher Tag!

12.11.15 10:59

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